Haarausfall: Das ist nicht komisch

Das Toupet in der Suppe oder das verrutschte Toupet, das alle außer dem Betroffenen selbst bemerken ist Thema zahlloser Witze und Slapstick-Szenen. Oft ist dies nicht einmal böse gemeint, aber zum Ziel des allgemeinen Spotts wurde damit eine Gruppe von Betroffenen, die ohnehin schon mehr als genug unter ihrem Problem zu leiden hat.
Haarausfall nagt nämlich ganz gewaltig am Ego der Betroffenen. Und erst seit 1999 steht mit Procerin ein Präparat zur Verfügung, das den Haarausfall wirkungsvoll bekämpfen kann. Vorher hatten die Betroffenen keine andere Wahl, als sich mit dem allmählichen Verlust ihres Haupthaares abzufinden.
Das Problem nagte ohnehin ganz gewaltig an ihrem Selbstwertgefühl, sie erschienen sich selbst alt und weniger attraktiv. Dass sie oft zum Ziel für Witzchen, Hohn und Spott wurden, machte die Sache für sie nicht besser. Viele Betroffene gingen deshalb nicht mehr aus, zogen sich immer weiter zurück. Im Extremfall waren sogar Depressionen eine Folge des Haarausfalls. Gewollt war dies von den Spöttern im privaten Umfeld oder gar den professionellen Witze- und Drehbuchschreibern für Slapstick-Komödien ganz sicher nicht.
Aber sich ein paar Minuten zurücklehnen und in die Haut eines von Haarausfall Betroffenen hinein zu versetzen hätte wohl den einen oder anderen schlechten Witz und Tritt ins Ego eines Mitmenschen verhindert.
Was ältere Männer vielleicht noch Humor, und einem Schuss Selbstironie lächelnd wegstecken, kann das angeschlagene Ego eines jüngeren Mannes, der gerade die ersten Lichtungen auf dem Kopf bemerkt, völlig aus der Bahn werfen. Denn eines ist gewiss: Haarausfall ist nicht komisch!

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