Eine Schlange führt ins Paradies

In Gestalt des Torrent de Pareis ("Paradiesschlucht") kam in der Serra de Tramuntana das - neben der Samaria-Schlucht auf Kreta - wohl imposanteste Beispiel für Kerbtalbildung des gesamten Mittelmeerraumes zur Ausbildung.

Mit seinen bis zu 400 Meter hohen Felswänden und seinem schmalen Talboden, der nirgends breiter als 40 Meter ist und an der engsten Stelle nur 10 Meter misst, schlängelt er seiner Mündung ins Meer bei Sa Calobra entgegen. Seitdem in den 1930er Jahren der bis dahin völlig abgeschiedene, nur 20 Einwohner zählende Küstenort Sa Calobra ("die Schlange") mit der gleichnamigen Straße an die übrige Inselwelt angebunden wurde, gehört der Weg zum Mündungsbereich des Torrent de Pareis fast schon zum Ausflugspflichtprogramm von Einheimischen und Mallorcareisenden. Er führt über eine schmale Passstraße, eine in schwierigstem Gebirgsterrain und in hervorragend landschaftsangepasster Weise vollbrachte Meisterleistung des italienischen Ingenieurs Antonio Parettig. Kurz nach dem Trinkwasserstausee Gorg Blau ("Blaue Schlucht") beginnt er und ist so reich an Attraktionen, dass der Weg selbst bereits lohnendes Ziel ist. Vier Kilometer Luftlinie überwindet die 12 km lange Straße, von der niemand weiß, warum sie eigentlich einmal gebaut wurde. Sicher ist nur, dass sie nach der Machtergreifung General Francos von Strafgefangenen des faschistischen Regimes und gefangenen Soldaten der republikanischen Armee gebaut wurde, die sich mit zwei Tagen gefährlicher und qualvoller Bauarbeit einen Tag Haftverschonung erarbeiteten. Vielleicht auch deshalb, weil sie an ein dramatisches Kapitel der jungen spanischen Geschichte rührt, ist der dunkle Hintergrund des Straßenbaus in Vergessenheit geraten. Geblieben ist die architektonische und straßenbauliche Glanzleistung, die so gar nichts gemein hat mit den Bettenburgen an der Playa de Palma, in Can Picafort oder in Cala Millor. Mit ihren Händen, ausgerüstet nur mit Brecheisen, Hammer und Meißel, Schaufel und Pickel, manchmal auch mit Dynamit, trieben mehrere hundert Arbeiter die Straße 800 Meter nach unten. Knapp 47 000 Quadratmeter Material trugen sie dafür ab und schütteten die gleiche Menge an anderer Stelle wieder an.

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